Unstetes Suchen und Momente der Ruhe

Datum: 05.09.2009     Quelle: MT

Thomas Willer stellt seine Gemälde im wieder eröffneten Kunststall des Reelingehofs in Großenheerse aus
VON RALF KAPRIES
Spannungsreiche Öl- und Acrylbilder, teilweise in Mischtechnik, stellt Thomas Willer im Kunststall des Reelingehofs in Petershagen-Großenheerse aus. | Foto: Ralf Kapries

Petershagen (pri). Nicht nur für Radfahrer gibt es dieser Tage mehr als einen guten Grund an der Station der LandArt-Route Nr. 1.05 zu halten und hinein zu schauen. Heidrun und Alfred Breustedt öffnen auf dem Reelingehof, Großenheerser Str. 24-24a wieder ihre Galerie.
An den beiden lang-gestreckten weißen Wänden ihres "Kunststalls" sind bei guter Beleuchtung knapp 20 Gemälde von Thomas Willer ausgestellt. Die Ausstellung wird am Sonntag, 6. September, um 16 Uhr eröffnet und kann danach bis zum 10. Oktober nach telefonischer Vereinbarung (05765/ 7316) besichtigt werden.
In der Zwischenzeit hat Willer, der an der Hauptschule Petershagen als Kunsterzieher tätig ist, teilweise auf dem Reelingehof gearbeitet und dabei auf Leinwand und auf Hartfaserplatte Öl- und Acrylbilder in unterschiedlichen Formaten, teilweise in Mischtechnik, geschaffen. Seine Arbeiten sind in weiten Teilen von Naturerlebnissen inspiriert, ohne jedoch auf deren naturalistische Abbildung zu zielen. Seine Umsetzung bleibt informell bis expressiv. Seine Palette ist nicht festgelegt, jedoch lassen sich auch farblich Produkte zweier Stimmungslagen unterscheiden.
Auf der einen Seite fallen Bilder starker Farbigkeit auf, wobei auch ungewohnte Kontraste entstehen, die jedoch niemals einer gewissen Harmonie entbehren. Die Aussage der abstrakten Arbeiten, die gerne mit der Möglichkeit gegenständlicher Andeutungen spielen, ist jedoch alles andere als harmonisch. Zumindest Teile des Bildes deuten in ihrer unruhigen Rhythmik auf suchende Unstetigkeit des Kunstschaffenden hin. Um sich darin jedoch nicht zu verlieren, setzt der Vierundfünfzigjährige bewusst statische Elemente. In aufgelöster Form schafft er so eine besondere Art von Schlüsselloch-Perspektive, die alles auf der anderen Seite der Blende noch bunter, noch wundersamer erscheinen lässt. Dieser raumgreifenden Schöpfungskraft verdankt das Publikum etliche große Formate.
Daneben hängt, unmittelbar am Eingang, eine Gruppe von Mittelformaten, die entweder aus einer ganz anderen Lebens- und Schaffensphase des Malers oder gar von einem ganz anderen Künstler stammen könnten. Nach Aussagen Willers lösen sich die unterschiedlichen Stimmungslagen bei ihm jedoch ab. Hier herrschen erdige Farbtöne und blasses Blau vor. Hier wird Ruhe spürbar, jedoch nicht im Zustand der Erstarrung, sondern eher als geordnete Dynamik. Die allgemeine Spannung, die allen Arbeiten Willers innewohnt, bleibt weiterhin erhalten, hier allerdings in ihrer gebändigten Form.

Willer gibt seinen Bildern bewusst keine Titel, um die Assoziationsfähigkeit ihrer Betrachter nicht einzuschränken. Wer sich etwas Zeit lassen und angesichts dieser Gemälde seine Phantasie und seinen Gefühlen freien Auslauf gewähren mag, wird am Besuch dieser Ausstellung viel Vergnügen finden.