Schulsanierung in Privat- oder Stadtregie?
Datum: 25.07.2007 Quelle: MT
Verwaltung prüft Finanzierungsmodelle für Lahder Schulzentrum / Jahrelange Diskussion über Notwendigkeit und Inhalt
Petershagen-Lahde (mt). Vor knapp 40 Jahren wurden die ersten Gebäude des Schulzentrums Lahde gebaut. Was damals modern war, erfordert heute eine kostenintensive Sanierung. "Der Schulstandort bleibt erhalten", gibt Bürgermeisterin Marianne Schmitz-Neuland eine klare Vorgabe.
Von Uwe Vinke
 Das Schulzentrum Lahde wartet seit Jahren auf eine umfassende Sanierung. Rund 9,6 Millionen Euro sind laut Stadt hierfür erforderlich. (MT-Foto: Uwe Vinke)
Dem Bau der Realschule im Jahr 1968 folgte vier Jahre später der Anbau der Hauptschule. Die Blockbauweise ermöglichte die kostengünstige Erweiterung, zeigt jedoch Jahrzehnte später ihre Nachteile.
Nach einem ersten Gebäudegutachten aus 1996 und einer Brandschau wurden 1999 kurzfristig aufwändige Feuerschutzmaßnahmen erforderlich, sollte das Schulzentrum nicht geschlossen werden.
Einige der Aluminiumfenster zeigten schon damals Undichtigkeiten, ebenso wie zahlreiche Lichtkuppeln auf dem Flachdach. Der Schulbetrieb lief weiter, wurde sogar noch erweitert.
Seit vier Jahren ein Provisorium
Im September 2003 erhielt die Realschule angesichts der Schülerzahlen zwei weitere Klassenräume auf Zeit, zwei Pavillonklassen. Diese beiden Klassen werden noch heute für den Unterricht genutzt.
Im Zuge dieser Diskussion wurden Stimmen zur Sanierung des Schulzentrums in der Politik laut und die Verwaltung legte einen Bericht zum "mittelfristigen Instandsetzungsbedarf" vor. Einschließlich der Sporthalle wurde ein Bedarf von rund 3,8 Millionen Euro ermittelt. Für einen Neubau waren damals 16,8 Millionen Euro veranschlagt worden.
Nach langen Diskussion in Ausschüssen und Stadtrat wurde der Bericht von der politischen Mehrheit als nicht ausreichend angesehen. Auf Antrag der CDU gab es den Auftrag für ein externes Gutachten.
Dies lag im März 2005 vor. Es wurde erneut ein mittelfristiger Sanierungsbedarf für Dach, Fassade und Fenster festgestellt. Im Dach gebe es Feuchteschäden, die ungedämmten Aluminiumfenster seien undicht, die Betonfassade nicht gedämmt und nicht winddicht, so das Ingenieurbüro. Basis für die Sanierung sei die Wärmeschutzverordnung. Je nach Ausführung wurden Kosten von drei bis 4,6 Millionen Euro errechnet.
Tatsächlich saniert wurde in den vergangenen Jahren lediglich ein Teil der Fenster für rund 200 000 Euro. Für dies Jahr sind im Stadtetat 700 000 Euro für die Außensanierung vorgesehen. Bis 2010 sollen jährlich weitere 750 000 Euro, und 2011 noch 655 000 Euro investiert werden, zusammen 3,6 Millionen Euro.
Neue Diskussion über Finanzen
Für die Innensanierung hat die Verwaltung überschlägig eine Summe von rund 5,7 Millionen Euro ermittelt. Insgesamt fallen somit Sanierungskosten für den Erhalt des Lahder Schulzentrums von rund 9,3 Millionen Euro an.
Angesichts der Veränderungen in der Schullandschaft steht nun auch wieder die Sanierung in der politischen Diskussion. Mit dem auslaufenden Ende der Hauptschule Lahde wird die Realschule zunehmend mehr Räume im Schulzentrum nutzen können. Dies kommt der derzeitigen Enge bei 722 Schülern und dem nachmittäglichen Unterricht entgegen. Zudem fehlen Mensa und Aufenthaltsraum für die Mittagspause.
Weitere frei werdende Räume soll die Musikschule Petershagen erhalten. So ließe sich ein fester Standort für den Unterricht in Lahde schaffen. Gemeinsam mit den Schulleitungen soll ein neues Raumkonzept für das Lahder Schulzentrum erarbeitet werden.
Angesichts zukünftig auch in Realschule und Gymnasium sinkender Schülerzahlen, sieht Bürgermeisterin Marianne Schmitz-Neuland das Schulzentrum Lahde jedoch nicht in Gefahr. Egal welche Schulform es im Sekundarbereich einmal geben werde, würde die Stadt ein Schulzentrum auf jeder Weserseite erhalten.
Somit rückt die erforderliche Sanierung wieder in den Blickpunkt. Angesichts des Finanzrahmens von 9,3 Millionen Euro und leerer Kassen prüft die Verwaltung derzeit auf Maßgabe des Stadtrates die Finanzierbarkeit.
Bedacht wird dabei auch privates Geld. In Form von Public Private Partnership (PPP) könnte ein Investor das Schulzentrum sanieren, unterhalten und bewirtschaften. Als Gegenleistung verpflichtet sich die Stadt langfristig (25 bis 30 Jahre), Sanierungskredite und Betriebskosten zu tragen.
Stadtrat muss entscheiden
"Die Stadt Mohnheim zahlt so jährlich drei Millionen Euro für alle ihre Schulen", weiß die Bürgermeisterin. Die Wirtschaftlichkeit von Eigensanierung oder Privatinvestor müsse ein Berater ermitteln. "Hierfür fehlt der Verwaltung das nötige Wissen", so Schmitz-Neuland.
Angesichts dieser Überlegungen und veränderter Bauabschnitte durch frei werdende Bauteile ist die Sanierung vorerst ausgesetzt. "Im September-Rat muss es einen Beschluss zum Beratungsverfahren geben, damit dann im Dezember-Rat ein Büro beauftragt werden kann", blickt die Bürgermeisterin voraus. Im kommenden Jahr könne dann über Form der Sanierung und tatsächliche Umsetzung beschlossen werden.
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