Karriere mit Hauptschulabschluss - Der Meistertitel macht es möglich von Wolfgang Duveneck

Datum: 20.05.2009     Autor: Nicole Peters

Beruf/Ausbildung/KORR/
Karriere mit Hauptschulabschluss - Der Meistertitel macht es möglich
Von Wolfgang Duveneck, dpa
(Mit Bild tmn07 vom 06.04.09) =

 Hamburg (dpa/tmn) - So richtig Spaß an der Realschule hatte sie
nicht. Die achte Klasse sollte sie wiederholen, weil sie mehrmals
geschwänzt hatte. Da zog es die damals 14-jährige Sabrina Erdmann
vor, auf die Hauptschule zu wechseln und dort ihren Abschluss zu
machen. Schnell fertig werden und Geld verdienen - das war ihr Ziel.
Acht Jahre ist das jetzt her. Vor kurzem hat die Hamburgerin mit 22
die Meisterprüfung im Friseurhandwerk bestanden.

  ?Jährlich werden knapp 22 000 Meisterprüfungen abgelegt?, sagt der
Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto
Kentzler. ?Darunter finden sich viele Jungmeister mit Hauptschulabschluss. Ihnen ebnet der Meisterbrief viele Wege, bis hin
zum Studium.? Dass Frauen in Meisterberufen großen Ehrgeiz
entwickeln, stellte Ende vergangenen Jahres die Handwerkskammer in
Berlin fest: Mit 28,5 Prozent lag der Frauenanteil spürbar höher als
der Bundesdurchschnitt von zuletzt 20,3 Prozent.

  Das Durchschnittsalter aller neuen Meisterinnen und Meister im
Handwerk lag in der Bundeshauptstadt bei 30,1 Jahren. Sabrina Erdmann gehört damit zu den jüngsten Meisterinnen in Deutschland. ?Was ich will, das schaff' ich auch?, sagt sie heute. ?Man muss nur den
richtigen Biss haben und nicht - wie manche - von vornherein sagen:
Mit Hauptschule habe ich ja sowieso keine Chance.? Trotzdem: Um ihr
Ziel zu erreichen, musste sie hart arbeiten. Es begann mit der dreijährigen Lehre. Schnell erkannte ihr Chef ihr Talent und
Engagement. Drei Monate nach der Gesellenprüfung wurde Sabrina mit 19 Jahren stellvertretende Leiterin einer Filiale.

  Berufsbegleitend ging sie zweimal pro Woche zur Schule. Um die
Weiterbildung zu finanzieren, reichte das Geld nicht. ?Und so ganz
auf alles verzichten wollte ich ja auch nicht?, gesteht sie. Sabrina
entschloss sich, nebenbei zu kellnern. Und weil sie hier vorerst mehr
verdienen konnte als im Friseurberuf, nahm sie den Gastronomie-Job in
Vollzeit auf. Sobald sie das Geld komplett zusammen hat, will sich
die junge Meisterin selbstständig machen. ?Zuerst möchte ich aber
alle meine Schulden loswerden?, erklärt sie. Bis zu 9000 Euro hat sie
alles gekostet.

  Für den ZDH-Präsidenten ist das Beispiel der Hamburgerin ein
Beweis, dass es nicht allein auf den früheren Erfolg in der Schule
ankommt. ?Die berufliche Bildung kann wie kein anderer Bildungsweg
Karrieren fördern. Viele Talente bleiben in der Schule leider auf der
Strecke. Im Handwerk zählt jedoch nur die Leistung?, sagt Kentzler.

  Der Meisterbrief ist nach seinen Worten für junge Menschen auch
weiterhin attraktiv - nicht nur als Voraussetzung für eine erfolgreiche Selbstständigkeit, sondern generell für die Berufsperspektive. ?Im Wettbewerb behaupten kann sich auf Dauer nur, wer Qualität garantiert?, betont Kentzler.

  Die Handwerkskammer Koblenz ist in einer Untersuchung der Frage
nachgegangen: ?Warum wird heute die Meisterprüfung abgelegt?? Danach schätzt die junge Meistergeneration den Meisterbrief als die
langfristig beste Grundlage für Beruf, Beschäftigung und selbstständigkeit in der mittelständischen Wirtschaft ein.

  In der Hitliste der am häufigsten bestandenen Meisterprüfungen im
Handwerk steht nach Angaben des ZDH der Friseurberuf an zweiter
Stelle. Im Jahr 2007 gab es - so die aktuellsten Zahlen - bundesweit
mehr als 21 000 neue Meisterinnen und Meister. Spitzenreiter in der
Statistik sind die mehr als 3700 neuen
Kraftfahrzeugtechnikermeister/innen. An dritter Stelle in den ?Top
10? stehen mehr als 2000 Elektrotechnikermeister/innen, gefolgt von
Installateur- und Heizungsbauermeister/innen, Tischlermeister/innen
sowie Maler- und Lackierermeister/innen.
(Internet: www.handwerk.de)
dpa/tmn du ah cr


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