Mal ganz im Spaß: Lernspiele ?serious games? sind voll im Trend

Datum: 20.05.2009     Autor: Viktor Wittmann

Karlsruhe (dpa) - Lernspiele, sogenannte ?serious games?, werden
in Schulen und Firmen ein immer wichtigeres Instrument der
Weiterbildung. Rein rechnerisch führen sie im Bereich
Unterhaltungssoftware zwar noch ein Nischendasein. ?Mehr und mehr
Firmen investieren inzwischen aber für die Weiterbildung ihrer
Mitarbeiter in Computerspiele, die sie speziell für ihre Bedürfnisse
entwickeln lassen und mit denen sie ihre Mitarbeiter schulen?, sagte
die Düsseldorfer Gamedesign-Professorin Linda Breitlauch in einem
Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. ?Bei größeren Firmen
sind das dann schon mal 10 bis 20 Prozent des Weiterbildungsbudgets?,
erklärte sie im Vorfeld der Karlsruher Bildungstechnologie-Messe
Learntec. ?Serious games? sind das Schwerpunktthema der Learntec 2009
(3. bis 5. Februar).

 ?Solche Spiele eignen sich hervorragend, etwa strategisches und
wirtschaftliches Denken und planerische Fähigkeiten zu fördern.?
Auch für Schulen begleitend zum Lehrmaterial seien ?serious games?
bestens geeignet. ?Diese Spiele sind optimal gerade für Themen und
Fächer, in denen man stur lernen und ochsen muss?, sagte Breitlauch,
die auf der Learntec mehrere Vorträge zu dem Thema hält. ?Die Kinder
spielen und werden für jede richtige Antwort, jede richtige Vokabel
belohnt.? Die Effizienz von spielerischem Lernen sei schon seit
langem wissenschaftlich erwiesen.

 Auch Erwachsene lernten beim Spielen schneller, leichter und
bereitwilliger. ?Das ist gar nichts Neues?, sagte Breitlauch.
Allerdings nutzten Schulen diese Erkenntnis noch zu wenig. ?Von
solchen Spielen könnte es dort viel mehr geben.? Für das Erlernen von
Sprachen oder Fächer wie Geschichte seien ?serious games? sehr gut
geeignet. Erste Studien belegten inzwischen den Erfolg dieser
Lernspiele.

 Allerdings könnten Lernspiele nicht jedes Lerngebiet gleichermaßen
erfolgreich oder sinnvoll begleiten. ?Gerade wenn es um soziale
Kompetenz, also etwa Verhalten beispielsweise im Umgang mit Kunden
geht, bringen 'serious games' nicht so viel?, sagte die
Wissenschaftlern. Sie lehrt als erste und bislang einzige Professorin
Gamedesign an der Düsseldorfer Media-Design-Hochschule. Wenn
man einem Verkäufer beibringen wolle, wie er höflich mit Kunden
umgehe, sei das persönliche Coaching oftmals besser.

 Auch setze die am Bildschirm mögliche Motorik Grenzen für die
Anwendung solcher Spiele. ?Wenn etwa ein Arzt lernen will, wie man am
offenen Herzen operiert, dann sollte er letztlich doch lieber in der
Pathologie üben?, sagte sie. Ein gelungenes Beispiel für ein ?serious
game? sei hingegen etwa ?techforce?, in dem Spieler lernen können,
wie Metallteile gefräst oder Glühbirnen gebastelt werden und das
junge Menschen für Metallberufe interessieren soll.

 Die Entwicklung eines Spiels koste zwischen einigen zehntausend
und mehreren Millionen Euro - etwa bei einem ?Spiel mit 3-D-Umgebung
und einer Spielzeit von 30 oder 40 Stunden?. Spiele für etwa für
einen Gameboy oder kleine, tragbare Spielkonsolen seien sehr günstig
zu entwicklen. ?Wenn ich eine Firma hätte, dann würde ich jedem
Mitarbeiter so ein kleines Gerät kaufen und sie dann je nach
Weiterbildungsbedarf hin und wieder mit einem klugen Chip versorgen?,
sagte sie. ?So macht Weiterbildung Spaß.?

(Internet: www.biu-online.de;
         www.business-wissen.de/learntec-2009/lustvoll-lernen-
         serious-games.html)