Azubis Liebling / SERIE Von Spielzeug bis Flugzeug: Industriekaufleute müssen vielseitig sein

Datum: 20.05.2009     Autor: Nicole Peters

Beruf/Ausbildung/Jugend/KORR/
Azubis Liebling/SERIE
Von Spielzeug bis Flugzeug: Industriekaufleute müssen vielseitig sein
Von Florian Sanktjohanser, dpa
(mit Bild tmn 11 vom 06.04.2009) =

  Berlin/Bonn (dpa/tmn) - Industriekaufleute sind Allrounder: Sie
arbeiten beim kleinen Spielzeughersteller, aber auch beim weltweit
operierenden Flugzeugkonzern. Ihre Aufgaben reichen dabei vom Einkauf über die Produktion bis zum Marketing. Laut Hella Lüth vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin sind die
vielfältigen Arbeitsbereiche auch ein Grund dafür, dass die Lehre
unter Jüngeren sehr beliebt ist. Sie lag 2008 auf Platz fünf der am
häufigsten gewählten Berufsausbildungen.

  Der typische Industriekaufmann ist eigentlich eine Industriekauffrau: Im vergangenen Jahr begannen 20 259 Jugendliche eine derartige Ausbildung - mehr als 12 000 davon waren weiblich. Für sie sei der Beruf vor allem interessant, weil er sehr kommunikativ ist, sagt Rainer Brötz vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Auch wenn es das Wort ?Industrie? vielleicht vermuten lässt, benötigten Auszubildende keine große technische Begabung. Kenntnisse im Umgang mit dem Computer reichten aus. Eigentlich müsse das
Kaufmännische in der Berufsbezeichnung vorne stehen, denn darauf
liegt klar der Schwerpunkt.

  Während der dreijährigen Ausbildung lernen die Jugendlichen die
ganze Bandbreite kaufmännischer Tätigkeiten von der Buchhaltung über die Kundenbetreuung bis zum Verkauf. Von anderen kaufmännischen Berufen unterscheidet sich die Ausbildung dadurch, dass Azubis sich stärker mit der Produktion beschäftigen und in industriellen Großbetrieben arbeiten - oft auch im Exportbereich. Deshalb würden Fremdsprachenkenntnisse vorausgesetzt, sagt Hella Lüth. In der Regel genüge Englisch.

  Weitere Fremdsprachen seien für den Erfolg einer Bewerbung ebenso
wenig notwendig wie hervorragende Noten. ?Bei den Unternehmen ist der Realschulabschluss sehr beliebt?, sagt Lüth. Abiturienten würden
nicht automatisch bevorzugt. Denn viele von ihnen absolvierten die
Ausbildung nur, um danach zu studieren. Damit nützt die Ausbildung
der Firma aber wenig.

  Wichtiger sei den Personalabteilungen, dass die Auszubildenden
teamfähig sind, mit Menschen umgehen können und über mathematisches Verständnis verfügen, erklärt Lüth. Seit der Novellierung der Ausbildungsordnung im Jahr 2002 spielt das übergreifende Prozessdenken, der Blick über den Tellerrand eine noch größere Rolle. Mit der Neuordnung wurde die Ausbildung stark modernisiert, neue Schwerpunkte wie Produktmanagement oder der elektronische Vertrieb über das Internet kamen hinzu.

  Mit dieser breiten Ausbildung seien die Azubis in vielen Branchen
gefragt, sagt Brötz - auch jenseits der Industrie. Manche arbeiteten
später in Banken, andere in Personalabteilungen. Nach Angaben der
Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg kann der monatliche Bruttolohn
rund 2350 bis 2520 Euro betragen. Dazu kämen oft noch Zulagen wie ein 13. Monatsgehalt oder Urlaubsgeld. Während der Ausbildung steigt das Einkommen im Westen von 727 Euro monatlich im ersten Jahr auf 840 Euro brutto im dritten Jahr, im Osten von 673 auf 775 Euro.
dpa/tmn fs to ah