Tipps für das Bewerbungsgespräch: Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Datum: 15.04.2008     Quelle: Andreas Heimann, dpa

Hamburg/Berlin (dpa/tmn) - Auch viele Erwachsene haben vor einem
Bewerbungsgespräch ein mulmiges Gefühl, für Jugendliche aber ist das
ein noch deutlich größerer Brocken. Gerade bei Schulabgängern, für
die diese Situation ganz neu ist, kann dann vieles falsch laufen. Mit
etwas Vorbereitung lassen sich etliche Fettnäpfchen aber vermeiden
und die Chancen auf eine Zusage deutlich erhöhen.

   ?Bewerbungsgespräche sind schon eine hohe Hürde?, sagt Annedore
Bröker, Beraterin bei der Arbeitsagentur in Hamburg. ?Für die
schriftlichen Unterlagen können sich die Jugendlichen Hilfe suchen.
Das ist etwas einfacher.? In das Vorstellungsgespräch müssen sie aber
 alleine. ?In der Situation waren die meisten noch nie.? Nervosität
ist dabei ganz normal. ?Man kann das ruhig offen ansprechen und
sagen, dass man sehr aufgeregt ist?, rät Bröker. ?Nur ein paarmal
tief durchatmen wirkt nicht immer.?

   Bei Bewerbungsgesprächen zählt letztlich der Eindruck, den der
Arbeitgeber gewinnt. Wer souverän wirkt, punktet. ?Am leichtesten hat
es der, der gute Noten mit sicherem Auftreten verbindet?, sagt
Annedore Bröker. Die Gewichtung hängt natürlich auch vom jeweiligen
Beruf ab. Im Labor oder in Handwerksberufen sei der gekonnte Auftritt
weniger wichtig als in Branchen mit täglichem Kundenkontakt.

   In keinem Fall kann es schaden, sich auf die Situation
vorzubereiten - zum Beispiel, indem man das Bewerbungsgespräch zu
Hause einmal durchspielt. ?Das hilft, etwas ruhiger zu werden und
nimmt einem die Angst?, sagt Bröker. Einen guten Eindruck macht so
gut wie immer, wenn man überzeugend erklären kann, was einen an dem
Beruf reizt und warum man sich gerade für den Betrieb interessiert,
bei dem man sich bewirbt.

   Sich diese Fragen rechtzeitig zu überlegen, empfiehlt auch die
Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. Bewerber sollten begründen
können, warum sie sich für den Beruf entschieden haben und warum sie
der Richtige dafür sind. Hilfreich sei, vorher noch einmal in den
Bewerbungsunterlagen nachzuschauen, was man dort über die eigenen
Interessen, Lieblingsschulfächer und Hobbys geschrieben hat. Ideal
ist es, wenn man eine Brücke zu dem Ausbildungsbetrieb schlagen kann.

   ?Ganz schlecht kommt an, wenn der Jugendliche sagt "Eigentlich
wollte ich ja was ganz anderes"?, warnt Alexander Legowski, Sprecher
des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin. ?Oder
wenn er darauf hinweist, dass er nur gekommen ist, weil ihn die
Arbeitsagentur geschickt hat.? So selten seien diese Fälle nicht, in
denen Ausbildungsplatzsuchende sich gleich durch solche Sprüche alle
Chancen nehmen.

   Der richtige Ansatz sei dagegen, vor dem Bewerbungsgespräch mit
Leuten zu sprechen, die einem Tipps geben können. ?Das kann ein
Kumpel sein, der eine Lehre macht, oder der Onkel, der einen Betrieb
hat?, sagt Legowski. Von denen können Jugendliche erfahren, worauf es
bei der Suche nach einer Lehrstelle ankommt und wie sie sich im
Vorstellungsgespräch von ihrer besten Seite zeigen. ?Es kann auch
nicht schaden, wenn sich die Eltern zusammen mit dem Jugendlichen
Gedanken machen?, so der ZDH-Sprecher. ?Sie sollten ihn ruhig
drängen, sich über den Betrieb zu erkundigen.?

   Denn wer durch Ahnungslosigkeit auffällt, kann nur verlieren. Wer
hingegen schon weiß, was genau hergestellt wird oder welche
Dienstleistungen die Firma anbietet, welche Standorte es gibt oder
wie viele Mitarbeiter, kann genauer nachfragen. ?Fast jeder
Zehn-Mann-Betrieb hat heute eine Homepage?, sagt Legowski. ?Das ist
doch ganz einfach, im Internet mal nachzugucken.? Klappt das nicht,
könne man über die Innung oder die Kreishandwerkerschaft gehen und
sich da erkundigen. Auch bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle
gilt: Gut informiert ist halb gewonnen.

(Internet: www.teamhandwerk.de; www.machs-richtig.de;
http://www.zukunftsnavigator.de)

   INFO-KASTEN: Tipps für das Vorstellungsgespräch

- Wichtig ist Kleidung, die zu dem Anlass passt. Sie sollte sauber
und ordentlich sein, der Bewerber muss sich darin aber auch
wohlfühlen.

- Während des Gesprächs sollte der Bewerber ganz normal sitzen und
seinem Gesprächspartner in die Augen schauen.

- Gut wirkt, den Gesprächspartner ausreden zu lassen und möglichst
frei von sich selbst zu erzählen. Schlecht ist, Fragen nur ganz knapp
zu beantworten oder ohne Punkt und Komma zu reden.

- Wer etwas nicht verstanden hat, sollte ruhig nachfragen. Auch damit
zeigt man Interesse.

- Die falsche Strategie ist, sich zu verstellen oder etwas zu
versprechen, das man nicht halten kann.

- Die Einstellung ?Ich muss die Stelle unbedingt kriegen? hilft nicht
weiter. Besser ist, sich zu sagen ?Toll, dass ich es so weit
geschafft habe, und wenn ich die Stelle nicht bekomme, dann versuche
ich es eben noch einmal?.
dpa/tmn ah cf cr