Beruf/Ausbildung/Jugend/KORR/ Neue Alternative für Jugendliche: Zeitarbeitsfirmen bilden jetzt aus

Datum: 20.11.2007     Autor: Andreas Heimann, dpa

Bonn/Berlin (dpa/tmn) - Zeitarbeitsfirmen sind aus dem
Arbeitsmarkt kaum noch wegzudenken. Längst helfen sie nicht mehr nur,
kurzfristig Lücken zu stopfen, sondern vermitteln sogar Fach- und
Führungskräfte für längere Zeiträume. Inzwischen bilden sie auch aus
- und zwar nicht nur im Büro: Die DIS AG beispielsweise, mit mehr als
10 000 Mitarbeitern einer der größeren Personaldienstleister in
Deutschland, hat jetzt auch mit der Ausbildung in Industrieberufen
begonnen. Derzeit gibt es an 10 verschiedenen Standorten 14 Azubis,
die zum Beispiel Fluggeräte- oder Zerspanungsmechaniker,
Mechatroniker oder Elektroniker für Geräte und Systeme werden wollen.

   Auch Acrobat hat in diesem Herbst begonnen: Die Zeitarbeitsfirma
aus Baden-Württemberg bildet 10 Azubis in 9 Berufen aus, etwa zum
Werkzeugmechaniker und Elektroniker oder auch zum Tischler oder
Altenpfleger. ?Wir wissen, dass es in vielen Bereichen einen Mangel
an Facharbeitern gibt und wollen selbst etwas dagegen tun?, sagt
Catherine Mutzig, die bei Acrobat in Achern für das
Ausbildungskonzept zuständig ist. Künftig sollen jedes Jahr zehn
Azubis einen Vertrag bekommen.

   Die DIS AG hat noch ambitioniertere Pläne: ?Wir wollen 2008 mit 50
Auszubildenden an den Start gehen?, sagt Jürgen Grau, bei der DIS AG
für Aus- und Weiterbildung verantwortlich. ?Den Ausbildungsvertrag
schließt der Azubi mit uns. Die Vergütung ist die gleiche wie bei
anderen Ausbildungsbetrieben.? Und es gilt die gleiche
Ausbildungsverordnung wie für alle Azubis des jeweiligen Berufes.

   Bislang ist das neue Konzept die Ausnahme. ?In der Branche gibt es
rund 700 Ausbildungsplätze?, sagt Thomas Läpple, Sprecher des
Bundesverbandes Zeitarbeit in Bonn. ?In der Regel wird in den
Betrieben aber nur zum Bürokaufmann ausgebildet.? Dass die
Zeitarbeitsfirmen verstärkt auf Qualifikation setzen, sei zu
begrüßen, sagt Günter Lambertz vom Deutschen Industrie- und
Handelskammertag (DIKH) in Berlin. Das sieht auch Hermann Nehls vom
Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) so: Im Prinzip sei der Einstieg in
die Ausbildung eine gute Sache und längst überfällig.

   Für Jugendliche auf Ausbildungsplatzsuche sei das die bessere
Alternative zu den ?vielen möglichen Warteschleifen?. Entscheidend
sei, dass tatsächlich alle Anforderungen des Berufsbildungsgesetzes
erfüllt werden, sagt Nehls.

   Die Besonderheit beim neuen Konzept der Personaldienstleister:
Der Ausbildungsvertrag wird zwar mit ihnen abgeschlossen, zumindest
die praktische Ausbildung findet aber in einem anderen Betrieb statt.
So geht es auch Merten Krause, der seit 1. September einen
Ausbildungsvertrag bei der DIS AG hat. Vorher absolvierte er ein
Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) für Mechatroniker. ?Dann hat mir die
IHK den Tipp gegeben, mich bei der DIS AG zu bewerben?, erzählt er.

   Dort macht er nun eine Ausbildung zum Mechatroniker mit
Schwerpunkt Erneuerbare Energien. Ausgebildet wird er in
Schleswig-Holstein bei der REpower Systems AG, einem Spezialisten für
Windkraftanlagen. Das expandierende Unternehmen mit rund 1000
Mitarbeitern bildet derzeit insgesamt 23 Mechatroniker aus. Merten
Krause ist der einzige, der von der DIS AG kommt. Ein Azubi zweiter
Klasse sei er nicht, sagt Andreas Rauschelbach, Ausbildungsleiter bei
REpower. ?Er wird genauso behandelt wie alle anderen.?

   Ein Ausbildungsvertrag von der Zeitarbeitsfirma? Klar, da haben
auch Freunde und Bekannte von Merten Krause nachgefragt, wie das
gehen soll. Große Skepsis gab es aber nicht. ?Vor allem diejenigen,
die mit mir das BGJ gemacht haben, wissen, dass Mechatroniker eine
Perspektive haben.? Für Krause zählt, dass er eine Lehrstelle in
einer Zukunftsbranche abbekommen hat. Aber auch die Unternehmen haben
Vorteile: ?Es gibt kleine Betriebe, die sich gar keinen Ausbilder
leisten können?, sagt Rauschelbach.

   Und schon die Auswahl der Bewerber kostet Zeit und Geld. Die
übernehmen in solchen Fällen dann Dienstleister wie die DIS AG -
genau wie die monatliche Vergütung der Azubis. Erfahrungen mit
dezentraler Ausbildung hat REpower Systems ohnehin: Weil etliche
Unternehmen in der noch vergleichsweise jungen Windenergiebranche
nicht die gesamte Ausbildung stemmen können - manchmal fehlt es in
einzelnen Bereichen am Know How oder schlicht an der Ausstattung -
kooperieren Ausbildungsbetriebe nach dem Motto ?gemeinsam sind wir
stark?.

   Die DIS AG ergänzt das Ausbildungskonzept noch um einige Details:
?Wir bieten auch eLearning für die Azubis an?, sagt Jürgen Grau. ?Sie
können sich zu Hause einloggen und dann verschiedene Themen über
Web-based-Training vertiefen.? Ganz uneigennützig sind die Pläne der
Zeitarbeitsfirma nicht: Ihr geht es nicht zuletzt darum, das
qualifizierte Personal zu bekommen, das sie hinterher an Unternehmen
verleihen kann. ?Wir wollen uns unsere Fachkräfte sichern?, sagt Grau
- angesichts der aktuellen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt klingt
das einleuchtend.

(Internet: www.bza.de)
dpa/tmn ah cf re


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