Beruf/Psychologie/Ratgeber/ Optimisten haben es leichter - Aber positives Denken reicht nicht

Datum: 20.11.2007     Autor: dpa

Chemnitz (dpa/tmn) - Positives Denken löst nicht alle Probleme.
Empfehlungen nach dem Motto ?Denke positiv!?, wie sie von vielen
Motivationstrainern und Ratgeberautoren verbreitet werden, seien in
der Regel allzu schlicht, sagte Prof. Astrid Schütz von der
Universität Chemnitz dem dpa-Themendienst. ?Glück, Liebe und Erfolg
im Beruf hätten wir alle gerne. Und eine einfache Lösung für den Weg
dahin wäre natürlich das Allerschönste.? Zu glauben, allein positives
Denken sei ausreichend, und schon klappt es, wäre aber naiv.

   Allerdings seien solche Empfehlungen, mit denen Autoren wie Dale
Carnegie mit seinem Titel ?Sorge Dich nicht, lebe!? Bestseller
landeten, nicht völlig unsinnig: ?Es lässt sich auch wissenschaftlich
zeigen, dass an den Effekten von positivem Denken etwas dran ist?,
sagte Prof. Schütz, die an der Universität Chemnitz selbst zu dem
Thema geforscht und die Befunde anderer Studien verglichen hat.
Positives Denken bedeute auch, sich selbst positiv zu sehen und daran
zu glauben, dass sich Herausforderungen bewältigen lassen:
?Optimisten gehen Probleme aktiver an und erhöhen dadurch die Chance,
sie zu lösen.?

   Einige Studien zeigten sogar, dass Optimisten gesünder leben, ein
stärkeres Immunsystem haben und sich schneller nach Operationen
erholen. Andererseits sei ihr Risiko für ein Burnout erhöht: ?Wer
optimistisch ist, sein Ziel erreichen zu können, macht immer weiter,
auch wenn er sich zu verausgaben droht?, erklärt Prof. Schütz dieses
Phänomen. Neben Selbstüberschätzung ist Leichtsinn ein negativer
Nebeneffekt positiven Denkens: ?Wer glaubt, Krebs könne ihn nicht
betreffen, der verzichtet unter Umständen auch auf die Vorsorge.?

   Im Berufsleben allerdings sei positives Denken in vielen
Zusammenhängen unverzichtbar. Das gilt beispielsweise für das
Erreichen von Karrierezielen. Überzeugt von den eigenen Fähigkeiten
zu sein, lässt sich durchaus lernen. ?Es gibt Trainingsprogramme, mit
denen man das üben kann?, sagte Schütz. Allerdings spiele auch die
Persönlichkeit eine Rolle: ?Es gibt da eine genetische Komponente.?

   Andererseits ist es unter Umständen gar nicht vernünftig, am
eigenen Verhalten etwas ändern zu wollen: ?Es gibt eben individuelle
Stile, und es wäre sogar schlecht, das umzutrainieren.? So kann der
eine eher einen ?strategischen Optimismus? vertreten und
beispielsweise in ein Vorstellungsgespräch mit der Haltung ?Was soll
mir schon passieren, da wird alles gut gehen? starten. Während ein
anderer mit ?defensivem Pessimismus? in das Gespräch geht und sich
genau überlegt, was alles schiefgehen kann. Der nimmt vielleicht noch
Kopien der Bewerbungsunterlagen mit - für den Fall, dass sie nicht
mehr vollständig vorliegen sollten.

   ?Beide Strategien können erfolgreich sein?, sagte Prof. Schütz.
Und wer eher zu den Übervorsichtigen gehört, muss nicht versuchen,
sich zu verbiegen, wenn er mit dieser Strategie gut zurechtkommt.
dpa/tmn ah cf cr


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